Blog

Think Earth! an der ETH Zürich

THINK Earth! Exhibition ETH Zürich 2017_1

THINK Earth! – Ausstellung zum Bauen mit Lehm heute
30. Oktober – 6. November 2017, ETH Zürich, Hauptgebäude

Montag, 30. Oktober 2017 um 17:30 Uhr, Haupthalle:

Vorträge von Prof. Dominique Gauzin-Müller (Kuratorin TERRA Award, Stuttgart) und Prof. Roger Boltshauser (Boltshauser Architekten / TU München, Zürich), mit anschliessendem Apéro.

Mittwoch, 1.November 2017, 17.30 Uhr, HG G 60, Semper Aula:

Podiumsdiskussion „Lehm und Gesundheit“ auf Deutsch
Wir diskutieren wie Lehm und Lehmputz effizient und auf natürliche Weise die Luftfeuchtigkeit regulieren und gleichzeitig den Komfort im Innenraum steigern kann.
Jeremy Hoskyn (AHB, Zürich, angefragt), Andrea Klinge (ZRS Architekten, Berlin), Prof. Eike Roswag (TU Berlin / ZRS Architekten, Berlin), Dr. Walter Hugentobler (Hausarzt im Ruhestand, Zürich), Ralph Künzler (Baubiologie und Lehmbau, Winterthur), Thomas Dimov (zoë circular building)?.
Moderation: Prof. Adrian Altenburger (SIA Schweiz / HSLU, Luzern).
Im Anschluss an die Diskussionsrunde findet ein Apero statt.

Freitag, den 3. November 2017, 17.30 Uhr, HG G 60 Semper Aula:

Podiumsdiskussion zu „Lehm und Technologie” auf Englisch
Wir diskutieren wie Lehm kosten- und zeiteffektiv durch Innovation (z.B. Vorfabrikation, Flüssiglehm, Lehmsteine) in unsere gegenwärtige Baupraxis implementiert werden kann.
Dr. Romain Anger (amàco / CRAterre, Grenoble), Dr. Antonin Fabbri (ENTPE / RILEM, Lyon, angefragt), Mark Inderbitzin (Boltshauser Architekten, Zürich), Gnanli Landrou (ETH Zürich), Laurent de Wurstemberger (Terrabloc, Genf).
Moderation: Prof. Dr. Guillaume Habert (ETH Zürich).
Im Anschluss an die Diskussionsrunde findet ein Apero statt.

Elemente der Ausstellung:

Grounded materials
TERRA Award
zoë modules
Videos Bauen mit Lehm
Lehmtafeln Daniel Duchert

Weitere Informationen:

Think Earth! ETH Zürich

Advertisements

Stöggis, Sabine Ziegler

Ich wandere gerne und dies nicht immer auf den markierten Wegen. Umso „abwegiger“ ich bin, desto stärker verändert sich mein Befinden. Im Hochgebirge freue ich mich über den Ausblick von oben. Im Tiefland über den Blick nach unten. Meine Wanderschuhe erhalten immer dickere Sohlen aus Dreck und Schlamm. Ich wachse von meiner Grösse – 1.62m immer höher und fühle mich wie eine echte Beauty Queen auf „Stöggelischuhe“

Am Abend merke ich, dass diese Masse an meinen Wanderschuhen klebrig, ja schmierig ist. Es handelt sich um eine dicke Lehmschicht. Lehm ist ein mineralisches Zerfallsprodukt von Gestein. Es handelt sich um kleine Lehmplättchen, die aneinander haften und zu einem Klumpen zusammenklebt. Je stärker zusammengepresst, desto fester der Klumpen und höher mein Schuh.

Die Lehmkarte Schweiz zeigt an, dass es über das ganze Landesgebiet der Schweiz Lehmvorkommen gibt.

Lehmkarte_Schweiz

Vor allem gibt es Vorkommnisse im Mittelland über den Jura bis hin zur Rheinebene, also praktisch das ganze Gebiet nördlich der Alpen, wo früher das grosse Meer war.

Interessanterweise entsprechen die Lehmvorkommnisse denjenigen Gebieten mit der grössten Bevölkerungsdichte. Dort wo gebaut wird, fahren heute Zugwaggons mit Zement, Kies und Gestein hindurch. Doch eigentlich gäbe es eine unendliche Quelle an Baumaterial gleich unter den Füssen. Die ETH hat berechnet, dass 2017 im Kanton Zürich 1’800’000 m3 verwendbarer Lehm aus Aushubmaterial zu gewinnen wären. Würde man bei einem 4-stöckigen Mehrfamilienhaus den Lehm dort einsetzten, wo er optimal wäre, entspricht dies gegen 3760 Häuser. Also ein gewaltiges Potential, das es zu entdecken gilt.

Ich würde dann gerne mit meinen echten Stöggis durch die Fluren dieser Gebäude laufen und ganz hoch rauskommen!

We Think Earth! Anouchka, Videoproduzentin

Nach meinem Architektur Diplom habe ich mir die Zeit genommen, mich zu fragen, was ich in meinem Leben machen möchte. Gebäude bauen welche die Welt verbessern. Ja, einverstanden, aber wie? Im konventionellen Bauen habe ich keine Antworten auf meine Frage gefunden; abgetrennt vom Ökosystem scheinen selbst die Minergie Standards vor allem für eine Logik des immer Mehr zu stehen anstatt für die Bedürfnisse der Gesellschaft: mehr Isolation, mehr Abdichtung, mehr Technologie…. Ich habe erkannt, dass einfache Lösungen, die in ein globales Verständnis des Lebenszyklus eines Gebäudes eingebettet sind, manchmal viel mehr als konventionelle Lösungen bringen können. Der Lehm ist oft in meiner universitären Laufbahn aufgetaucht, zu Beginn vielleicht per Zufall, danach mehr durch Wahl. Es ist ein Material, das eine neue Art die Architektur zu konzipieren ermöglicht, voller Potenzial, um die Probleme unserer Zeit zu beantworten. Im Think Earth! Team kümmere ich mich um die Realisierung der Videos, in denen die Eigenschaften und Vorteile des Lehms in Bezug zu den folgenden Themen erklärt werden: Ressourcenentwicklung, Gesundheit, Bauphysik und soziale Beiträge.

We Think Earth! Sabine, Kommunikationsexpertin

Sabine, Kommunikationsexpertin – Think Earth ist mehr als eine Ausstellung, ein Kurs oder die Anwendung von Baumaterialien. Think Earth basiert auf ein Denkkonzept und fordert uns heraus Nachhaltigkeit zu (er)leben. Das Konzept verpflichtet uns als Bauherren und Nutzerinnen kurz inne zu halten und zu schauen, welches Material liegt uns zu Füssen. Wie können wir dieses Material anwenden und was sind die Alternativen? Nach dem Studium der Umweltwissenschaften habe ich den Verein ecco terra präsidiert. Der Vereinszweck bestand darin den phänomenologischen Zugang zum Lehm zu ermöglichen. Wir waren damals überzeugt, dass durch direktes Anfassen eine emotionale Verbindung mit Lehm aufgebaut werden kann und somit auch mehr Lehm angewendet werden kann. In der Zwischenzeit hat sich den Lehmbau schnell entwickelt und die Dringlichkeit neue Baumaterialien, die 100% abbaubar sind und gesund sind ins Zentrum des Bewusstseins gerückt. Eine lange Zeit wurde beim Bauen den Fokus auf den CO2-Ausstoss und dem Energieverbrauch gelegt. Nun ist es an der Zeit auch über die Verknappung von Baumaterialien zu sprechen und zu handeln.

Ich freue mich sehr wieder mit dem Thema konfrontiert zu sein und unterstütze in Form der Kommunikation, des Fundraisings und dem Networking Think Earth!

We Think Earth! Giulia, Praktikantin

Nachdem ich sechs Jahre lang Lehmbauprojekte in Argentinien geplant hatte, entschied ich mich, nach Europa zurückzukommen um bei CRAterre zu studieren, dem international anerkannten Zentrum für Lehmarchitektur in Grenoble. Während neun Monaten hatte ich das Privileg professionelle und persönliche Erfahrungen mit grossartigen Experten zu teilen. Während einem der wichtigsten Ereignissen des Jahres, dem Festival Grains d’Isère, traf ich Thomas und entdeckte zoë. Wie könnte ich der Versuchung widerstehen einem solch dynamischen, neuen und interessanten Projekt wie diesem beizutreten? Innovation, Vorfertigung, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind nur einige der Aspekte die zoë anspricht durch die Nutzung von natürlichen Materialien wie Stroh, Holz und natürlich Lehm. Aber zoë ist nicht nur ein Produkt, es ist auch Bildung und Übung. Das ist der Grund weshalb ich zoës Team beigetreten bin für diesen Sommer und weshalb ich bei der Organisation des Workshops Think Earth! im August mitwirke.

 

We Think Earth! Tabea, Praktikantin

Summerpreneurship ist ein Programm des Impact Hubs in Zürich, wo Studenten bei Start-ups ein Praktikum über den Sommer machen können. Bei zoë war dies ein Match auf den ersten Blick, da ich nach einem Start-up mit sozialem und ökologischem Kern suchte. Die Circular Economy war dabei ein spannender Anknüpfungspunkt mit zoë. Meine Bachelorarbeit in Sozialanthropologie dreht sich nämlich um die Schweizer Sharing Economy: Handelt es sich dabei um eine Sozialisierung der Wirtschaft – wie etwa bei ethischen Konsumentscheidungen – oder um eine Ökonomisierung der Gesellschaft – wie bei der Kommerzialisierung der Nachbarschaftshilfe? Zoës ökologische Baumaterialien sind dabei klar Teil der Sozialisierung der Wirtschaft.

 

We Think Earth! Thomas, Projektleiter

Ich bin Architekt. Ich entwerfe Häuser. Für Menschen. Das ist es, was ich gerne tue. Aber: Bauen hat einen oft negativen Einfluss auf unser Klima, manchmal fühle ich mich unwohl in Räumen und manchmal ist die Art wie Häuser entworfen und gebaut werden, nicht gesund für die beteiligten Menschen. Und dazu kommt: ich kann mir kein Haus leisten das gebaut wurde wie man heutzutage baut! Darum: Was wäre, wenn ich Häuser entwerfen und bauen könnte, die viel weniger Energie konsumieren, viel weniger CO2 und Abfall produzieren, bei denen ich lokales Material und Arbeitskraft benutzen könnte, die gut für die Gesundheit sind, schön anzusehen und bezahlbar? Ich habe den Eindruck bestehende Lösungen gehen nicht weit genug. Was wäre wenn ich selber ein Bausystem entwerfen könnte, dass all diese Erwartungen erfüllt? Ok, ich würde (auch) Produktdesigner sein und Unternehmer – was nicht dasselbe ist wie Architekt. Wieso nicht: let’s try! Vor zehn Jahren startete ich also das zoë Projekt in Österreich. Als ich in die Schweiz zurückkam, nahm ich zoë mit und trat der IG Lehm bei, dem Schweizer Verband von Lehmbau Experten. Think Earth! ist eine schöne Gelegenheit, das Bauen mit Lehm und Pflanzenfasern vorzustellen und zoë wird dabei eine nicht unwichtige Rolle spielen. http://www.zerocarbon.ch